Zu guter Letzt: Gefühle zulassen und wachsen

“Wenn du deine Gefühle nicht direkt ausdrückst,

machst du die Menschen in deiner Umgebung

in gewisser Weise zu emotionalen Sklaven.

Statt etwas zu riskieren und klar auszudrücken,

was du fühlst und möchtest, manipulierst du dann andere durch Schweigen, Kranksein, Weggehen

oder Launenhaftigkeit, um sie so dazu zu bringen,

dich zu lieben. Die Unfähigkeit oder Unwilligkeit,

deine Gefühle auszudrücken,

ist eine Form der emotionalen Tyrannei und nicht,

wie du vielleicht glaubst, eine Möglichkeit,

deine Intimsphäre zu schützen.

Sich anderen zu offenbaren macht verletzlich,

aber genau das vertieft jede intime Beziehung.

Sei also kein Angsthase; sage heute, was du fühlst.

Indem du dieses beziehungsfördernde Risiko eingehst, stärkst du das Band der Liebe.”

Daphne Rose Kingma

Wachsen kann ich dort

Wo jemand mit Freude auf mich wartet

Wo ich Fehler machen darf

Wo ich Raum zum Träumen habe

Wo ich meine Füße ausstrecken kann

Wo ich gestreichelt werde

Wo ich geradeaus reden kann

Wo ich laut singen darf

Wo immer ein Platz für mich ist

Wo ich ohne Maske herumlaufen kann

Wo einer meine Sorgen anhört

Wo ich still sein darf

Wo ich ernst genommen werde

Wo jemand meine Freude teilt

Wo ich auch mal nichts tun darf

Wo mir im Leid Trost zuteil wird

Wo ich Wurzeln schlagen kann

Wo ich leben kann!

(Textquelle unbekannt)

Lieber Mensch:

Du hast da etwas falsch verstanden. Du bist nicht hier auf der Erde, damit dir bedingungslose Liebe gelingt. Die ist dort, woher du kamst und wohin du gehen wirst. Du bist hier, um menschliche Liebe zu lernen. Allumfassende Liebe. Schmuddelige Liebe. Schwitzige Liebe. Verrückte Liebe. Gebrochene Liebe. Ungeteilte Liebe. Getränk vom Göttlichen. Lebendig durch die Anmut des Stolperns, offenbart durch die Schönheit des Scheiterns. Und das oft.

Du bist nicht auf diese Welt gekommen, um perfekt zu werden. Du bist es schon. Du bist hier, um herrlich menschlich zu sein. Fehlerhaft und fantastisch. Und um im Erinnern immer wieder aufzuerstehen. Aber bedingungslose Liebe? Erzähl mir nichts davon. Denn wahre Liebe kommt ohne Adjektive aus. Sie braucht keine näheren Bestimmungen. Sie braucht keine perfekten Umstände, sie bittet dich nur, dass du kommst. Und dein Bestes gibst.

Dass du im Hier und Jetzt ganz da bist. Dass du leuchtest und fliegst und lachst und weinst und verwundest und heilst und fällst und wieder aufstehst und spielst und machst und tust und lebst und stirbst als unverwechselbares DU. Das genügt. Und das ist viel.

Courtney A. Walsh